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15.04.2003
58 Schlittenhunde rannten den Palmbach entlang


Von Sabrina Sassen

Burgschwalbach. Mit fast 30 Kilometern pro Stunde durch den Wald, nur das Trommeln der Pfoten auf dem Grund und den Wind im Gesicht. "Ika, gee", tönt es durch den Wald. In der scharfen Rechtskurve gerät der Wagen ein wenig ins Wanken, für den Fahrer und sein eingespieltes Team kein Problem, für Neulinge ein etwas mulmiges Gefühl, doch schnell ist die Situation wieder unter Kontrolle, oder war sie etwa gar nicht außer Kontrolle?

Wer am Wochenende durch den Naturpark Rhein-Taunus, vornehmlich über den Wanderweg eins am Palmbach spazierte, hörte ungewöhnlich viel Geheule und Gebell. 58 Sibirische Huskys, ein Schäferhund und ein Boarder Collie gastierten mit acht Schlittenhundefahrern, vielen Helfern und Freunden auf dem Parkplatz am Palmbach zum Abschlusstraining. Einige der Fahrerinnen und Fahrer des SSVP (Schlittenhundesportverein Pfalz) betreiben bereits seit Jahren den Schlittenhundesport, andere sind neu dabei – aber alle mit voller Begeisterung. "Nur mit deinen Hunden durch den Wald oder im Winter durch den Schnee, das ist unsere Leidenschaft, die pure Entspannung nach einem stressigen Tag", erklärte der Hahnstätter Bodo Janz und Organisator des Trainingslagers mit einem Funkeln in den Augen.

Nach einer Wettbewerbssaison von Oktober bis März treffen sich die Musher (Schlittenhundeführer) jedes Jahr zum Abtrainieren der Hunde. "Im Sommer ist es einfach zu heiß", erklärte Janz, "so dass wir am Ende der Saison die Hunde weniger Trainieren müssen." Während der Saison sind die Musher mit ihren Hunden in ganz Europa, manche sogar in Kanada unterwegs und bestreiten Wettkämpfe in schneereichen Gebieten. Da in unsere Region der Schnee fehlt, trainieren die Fahrer mit normalen Wagen mit Rollen, meistens in den frühen Morgenstunden, wenn es noch kühl ist.

Ein Gespann mit zehn Hunden ist zwölf Meter lang und erlangt Geschwindigkeiten von bis zu 40 Kilometern in der Stunde. Trainiert werden die Hunde auf die Kommandos "Gee" für rechts, "haw" (links), Schnelligkeit, das Zusammenspiel der einzelnen Tiere miteinander, sowie Überholen und Anhalten. Durch den natürlichen Drang der Hunde zu rennen und sich zu bewegen ist die Aufregung im "Fahrerlager" immer groß, wenn die Tiere merken, dass eingespannt wird. An erster Stelle kommen in das Gespann die "Lead-Dogs", die schnellsten und erfahrensten Läufer. Direkt vor dem Wagen werden die "Wheel-Dogs" eingespannt, sie sind sehr kräftig und ziehen den Wagen mit dem Fahrer über jede Steigung. Gewichte von bis zu 150 Kilogramm plus das Wagengewicht sind für fünf Hunde kein Problem.

"Das Training und die Wettbewerbe funktionieren nur, wenn die Hunde Vertrauen zum Fahrer haben", verrät Bodo Janz das Erfolgsgeheimnis. Höchste Priorität, während des Trainings und auch beim Wettbewerb hat der Tierschutz. Kranke oder ängstliche Hunde werden geschont, keinesfalls werden sie unter Druck gezwungen zu Rennen oder gar mit geschleift. Auch die Jugend kommt nicht zu kurz. Die Kinder von Janz fahren mit maximal zwei bis vier Hunden und haben ebenfalls riesigen Spaß. Nach dem Training sitzen die Musher gemeinsam am Lagerfeuer und genießen die Zeit mit ihren Hunden, bevor die sich in die Zelte oder Wohnwagen zurückziehen und von weiteren Fahrten durch Wälder oder schneebedeckte Gebiete träumen; und auch den Hunden dürfte es ähnlich gehen.
 

Zeitungsartikel vom 15.04.2003 Nassauische Neue Presse

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